ConGenial – Poesie-Musik-Video-Reihe

Im vergangenen Herbst lud die GWK – Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit unter dem Motto ConGenial einige ihrer ehemaligen Literaturpreisträger (Hendrik Jackson, Adrian Kasnitz, Georg Leß, Arnold Maxwill, Lars Reyer und Christoph Wenzel) nach und nach auf die Bühne des Gelsenkirchener Consol Theater ein – hier trafen sie mit ihren Gedichten auf den Piansten Michael Gees und den Videokünstler Lukas Zerbst.

Aus diesen Begegnungen sind insgesamt 23 Videos entstanden, die nun seit dem 1.4. fortlaufend jeden Freitag bei Youtube veröffentlicht werden. Zum Auftakt der Reihe ist eins der Videos von Gees/Wenzel/Zerbst zu sehen: „stillstand auf dem ziffernblatt“, darin auch Teile der ‚radioaktiven wölfe‘ (aus dem Band lidschluss, Edition Korrespondenzen, 2015), wie sie um Tschornobyl herum streunen und dieser Tage eine neue, bestürzende Gegenwärtigkeit erhalten.

Schönes Babylon

ik tel de voeten en blijf tellen tot ik zeker ben / dat iedereen die er moet zijn, er is (Maud Vanhauwaert)

… zähle ich dann die Füße, zähle und zähle, bis ich mir sicher bin / dass alle, die hier sein müssten, auch hier sind (übers. v. José Oliver)

Wie kann man dieser Tage von der Freude erzählen, ein komplexes Herzensprojekt wieder bis zur Druckreife gebracht zu haben? Kaum möglich, die Freude bleibt weit mehr als nur gedämpft. Aber dennoch: Es ist die Arbeit an einem Projekt, das Grenzen überschreitet – und zwar in Freundschaft und mit Neugier, ein Projekt, das Verbindungen stiften und Entdeckungen ermöglichen will. Der TRIMARAN #3 ist soeben im Lilienfeld Verlag erschienen.

– auch diesmal wieder im Team mit Stefan Wieczorek in der Redaktion und getragen durch die Kunststiftung NRW, Flanders Literature, dem Nederlands Letterenfonds,

Hoe vertellen deze dagen over de vreugde om een ​​complex project, een hartsaangelegenheid, weer tot het punt te hebben gebracht dat het drukklaar is? Nauwelijks mogelijk, de vreugde blijft meer dan getemperd. Maar toch: het is werken aan een project dat grenzen overschrijdt – in vriendschap en met nieuwsgierigheid, een project dat verbindingen wil leggen en ontdekkingen mogelijk wil maken. Zo belangrijk, zo betekenisvol. TRIMARAN #3 is nu verschenen – ook dit keer weer in een team met Stefan Wieczorek op de redactie en ondersteund door de Kunststiftung NRW, Literatuur Vlaanderen en het Nederlands Letterenfonds,

Öd, leer, schön

Seit Ende des vergangenen Jahres ist mit dem Netzwerk „Literatur Rheinland“ neben dem Literaturgebiet Ruhr und dem Literaturland Westfalen das dritte literarische Netzwerk in NRW online: Im Web, bei facebook und bei Instagram. Für die Insta-Anthologie @fluss_laut als erstes Netzwerkprojekt darf ich bereits seit November 2019 wöchentlich je ein Gedicht von (im weitesten Sinne) rheinischen Lyriker:innen auswählen. Mit der Webseite geht nun auch die Literaturkarte mit sog. „Textstellen“ online: Hier schreiben Autor:innen über einen selbstgewählten Ort im Rheinland. Meine Wahl fiel auf den namen- und ausnehmend trostlosen Platz an der Ecke Amyastraße/Rhein-Maas-Straße in Aachen-Burtscheid. Der zugehörige Beitrag „Öd, leer, schön“ ist hier nachzulesen.

öd, leer, leblos – […] Nun: Zeige mir einen schöneren Platz in der Stadt! Du wirst keinen finden.

Öd, leer, schön. Christoph Wenzel über einen Platz ohne Namen in Aachen-Burtscheid.
© geoportal.aachen

Brotjobs & Literatur

„Warum wird so wenig darüber gesprochen, über die Brotjobs, die strukturellen Probleme, die materiellen Bedingungen der literarischen Produktion und das mit ihnen einhergehende Zerren um Zeit, Konzentration und Aufmerksamkeit?“

Jetzt ist er da, der Band Brotjobs & Literatur, herausgegeben von Iuditha Balint, Julia Dathe, Kathrin Schadt und Christoph Wenzel (Hg.), erschienen im Verbrecher Verlag in Zusammenarbeit mit dem Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt

Der Band wird getragen von der Offenheit seiner Beiträger:innen, von ihrer systemischen Kritik, von den eindrücklichen und klugen Beschreibungen ihrer individuellen Gegebenheiten, ihren kritischen Befragungen der Fragen selbst, und: von der Ästhetik ihrer Beiträge. Der Dank gilt also ganz besonders Philipp Böhm, Crauss, Dominik Dombrowski, Özlem Özgül Dündar, Dincer Gücyeter, Johanna Hansen, Adrian Kasnitz, Ulrich Koch, Thorsten Krämer, Stan Lafleur, Isabelle Lehn, Swantje Lichtenstein, Daniela Seel, Sabine Schiffner, Sabine Scho, Janna Steenfatt, Michael Schweßinger, Karosh Taha und Juliane Ziese.

Eine Leseprobe, die auch das komplette Vorwort der Herausgeber:innen enthält, gibt es hier.

„annette ist eine passantin im feldwegenetz“

Auf der etwa sieben Kilometer langen Strecke zwischen der Burg Hülshoff und dem Haus Rüschhaus, den in Havixbeck bei Münster gelegenen Geburts-, Wohn- und Schreiborten der Annette von Droste-Hülshoff, ist im Sommer 2021 ein Outdoor-Museum eröffnet worden: Droste-Landschaft : Lyrikweg. 20 multimediale Stationen auf der Strecke, die AvDH viele Jahre nahezu täglich, manchmal mehrfach, zu Fuß zurücklegte präsentieren historische und naturgeschichtliche Informationen, Texte von AvDH sowie Texte von Gegenwartsautor:innen.

Eine eigens programmierte App (hier für Android und iOs) fungiert als Tour Guide und Routenplaner und bietet neben vielen weiteren Features alle Ausstellungs- und literarischen Texte zum Nachlesen und Anhören an.

Die App, die multimedialen Stelen und ein bibliophiles Wanderbuch dokumentieren und kommentieren nicht nur die Streifzüge der Annette von Droste-Hülshoff durch diese Gegend, sondern auch Texte von Gegenwartsdichter:innen, die eingeladen waren, ihrerseits durch die Droste-Landschaft zu streifen. Gemeinsam mit Hamed Abboud erkundete CW die Umgebung von Haus Vögeding. Die daraus und aus der Begegnung beider Autoren entstandenden Texte, sind neben vielen weiteren Beiträgen les- und hörbar in der App, unterwegs und im Wanderbuch.

flimmertierchen auf der linse

Um auch in der veranstaltungslosen Pandemiezeit Literatur von Aachener Autor*innen präsentieren zu können, veröffentlich das Literaturbüro Euregio Maas-Rhein seit einigen Wochen regelmäßig Kurzvideos: jeweils eine Autorin oder ein Autor stellt darin einen kurzen Prosatext oder ein Gedicht vor.

Hier das Diptychon „migräne, aura. hemisphären“ von Christoph Wenzel (erstpubliziert in: Sprache im technischen Zeitalter 219 (2016)).

denk dir den platz … als süße bausünde

Im Rahmen des Projektes TRANSIT – Vorübergehende Literatur am Ebertplatz, einer Kooperation zahlreicher Veranstalter*innen der Kölner Literaturszene: u.a. der Lesereihen Land In Sicht und Literaturklub, des Literaturmagazins KLiteratur, des Festivals Insert Female Artist und des Veranstaltungsformats HEIMSPIEL, liefen vom 9. April 2021 bis 14. Mai 2021 über 30 verschiedene literarische Texte über ein 50 Meter langes LED-Laufband am Ebertplatz.

In einer öffentlichen Ausschreibung wurden aus rund 600 eingereichten Texten 31 für die Präsentation am Ebertplatz ausgewählt.

Alle diese Texte stellen entweder einen Bezug zum Ebertplatz her oder beschäftigen sich inhaltlich oder formal mit den Herausforderungen unserer unmittelbaren Gegenwart.

Im Video läuft das Gedicht „süße bausünde“ von Christoph Wenzel über das LED-Laufband:

denk dir den platz als wohnzimmer
mit angeschlossenem partykeller,
als sein eigenes wörterbuch,
einen angsttraum vom angstraum,
denk ihn dir als real life streaming server,
als schreibtisch mit kartoffelkeller,
siehst du die reisterrassen, die hängenden gärten,
brutal, aber zärtlich, sieh ihn an als proberaum
fürs tanztheater, als brettspiel oder bastelbogen, 
boxring, brennpunkt, eine vorlesung
zu geschichte, geometrie und plattentektonik,
als darkroom für lichtflüchter, als gut getarntes 
trümmerfeld und biotop, als eine süße bausünde,
als stammtisch, niemandsland, eine gemeinheit

Ein Twitter– und ein Instagram-Account dokumentieren die jeweiligen Texte und Autor*innen.

„idylle mit bushaltestelle“ | Poesie im öffentlichen Raum am Kunsthaus Kloster Gravenhorst

Im Rahmen der Gravenhorster „SAISONALE* – temporäre Kloster.Garten.Kunst“ ist ab sofort ein poetischer Rundgang mit dem Titel „idylle mit bushaltestelle“ zu sehen, entworfen von CW, der entlang der Innen- und Außenseiten der historischen Klostermauern des DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst führt – darunter auch das „Hortorium Poetica“, ein Katalog poetischer, utopischer, dystopischer, möglicher, zweifelhafter, politischer … Gärten.

Eine feierliche Eröffnung ist dem Corona-Virus leider zum Opfer gefallen, dafür gibt es aber die virtuelle Eröffnung der dritten Gravenhorster SAISONALE* nun in Bild und Ton. (Hier geht es direkt zu Minute 7:44 und der „idylle mit bushaltestelle“).

Ausdrücklich zu empfehlen ist ein Besuch dieses außerordentlichen Kunstortes im Tecklenburger Land, zwischen Rheine und Ibbenbüren: partizipative Kunst im öffentlichen und jederzeit zugänglichen Gartenraum, die raunende A30 direkt hinter den Klostergärten, das ehemaligen Zisterzienserinnenkloster, das Austellungs-, Atelierräume und Stipendiat*innen-Appartments beherbergt. All das mit Ausblick auf den Teutoburger Wald, direkt am Mittellandkanal und unweit der Ems.

Lyrikschaufenster

Mit dem Video-Projekt Lyrikschaufenster startet das Haus für Poesie eine neue Reihe: In insgesamt 70 Videos sprechen Dichter*innen jeweils über ein besonderes Gedicht aus dem Fundus der Plattform lyrikline.org. Ab sofort stehen auf der Website kanalfuerpoesie.org die ersten zehn Beiträge zur Verfügung. Jeweils zehn weitere werden bis zum Jahresende immer zur Mitte eines neuen Monats veröffentlicht.

In einem der ersten Beiträge spricht Christoph Wenzel in Form einer lyrischen Paraphrase über das Gedicht „Schande den Dörfern, Schande den Dörflern“ von Ulrich Koch:

Das Projekt richtet sowohl an alle Lyrikinteressierten, aber auch an Schulen, Deutschkurse und weitere Bereiche der kulturellen Bildung. Alle Dichter*innen haben sich selbst aufgenommen und dabei eine je eigene Form der Auseinandersetzung gewählt.

Christoph Wenzel erhält den 13. Dresdner Lyrikpreis.

Für seine Gedichte, die „eine klangstarke Provinz- und Heimatkunde […] in einem ironischen Ton, in dem zugleich Wehmut wie Distanz einschlägt […]“ betreiben, wie Laudatorin Anja Utler mitteilte, erhält Christoph Wenzel den 13. Dresdner Lyrikpreis. Die komplette Laudatio ist hier nachzulesen.
Zugleich ging der Publikumspreis an den Lyriker Ondřej Krystyník, der die Mehrzahl der 441 abgegebenen Stimmen auf sich vereinen konnte.

Pandemiebedingt fand die Preisverleihung am 8. November online statt und kann hier nachgeschaut werden: